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Das Wassermelonen-Eis: Warum wir für kleine Sehnsüchte Aktionspläne bauen — und für große nicht

Vor Kurzem hatte ich eine ganz bestimmte Sehnsucht: Wassermelonen-Eis. Ich dachte: Wie schön wäre es, das jetzt zu essen. Aber aus dem Gedanken wurde Wirklichkeit — ich recherchierte, wo es das gibt, fuhr hin, kaufte es. Und als ich es am Abend genüsslich auf meiner Couch aß, dachte ich: verrückt. Ich hatte eine Sehnsucht. Ich unternahm Schritte. Und jetzt darf ich die Sache erleben.

Die unsichtbare Selbstverständlichkeit

Was zwischen der Sehnsucht und der Couch lag, war — nüchtern betrachtet — ein Aktionsplan: Ziel benennen, Recherche, Weg, Beschaffung, Genuss. Niemand würde es so nennen. Niemand hat gezögert, einen Workshop einberufen oder auf bessere Rahmenbedingungen gewartet. Bei kleinen Sehnsüchten planen und handeln wir vollkommen selbstverständlich, in Minuten, ohne die Schritte je als Hürde zu empfinden.

Genau diese Selbstverständlichkeit verlieren wir, sobald die Sehnsucht größer wird. Beim Berufswechsel, beim Gründungstraum, bei der Vision für die eigene Organisation glauben wir plötzlich, der Weg dazwischen sei nicht planbar — oder nicht für uns.

Warum wir bei großen Zielen die Schritte scheuen

Ich glaube, es liegt selten am Können. Es liegt daran, dass wir Größe mit Unmöglichkeit verwechseln. Ja — es mögen mehr Schritte sein, und komplexere. Aber die Mechanik ist dieselbe wie beim Eis: herausfinden, wo es das gibt, was man braucht, wer helfen kann. Hinfahren. Anfangen.

Und es liegt noch an etwas anderem: Solange ein Ziel unkonkret bleibt, bleibt es bequem. Eine Sehnsucht ohne Aktionsplan kann nicht scheitern — aber sie kann sich auch nie erfüllen. Der erste Schritt eines Plans macht den Traum verbindlich. Das ist der Moment, den viele scheuen. Nicht die Arbeit danach.

Vom Eis zum Kindergarten

Es klingt vermessen, ein Eis und einen Kindergarten in Uganda in denselben Text zu schreiben. Aber der Anfang war wirklich derselbe: eine Sehnsucht — und dann eine Recherche. Wer baut dort? Was kostet ein Klassenzimmer? Wen muss ich kennen? Aus Fragen wurden Schritte, aus Schritten Partner, aus Partnern ein Gebäude, in dem heute 80 Kinder lernen. Kein Schritt davon war spektakulär. Es war nie der eine große Sprung — es war immer der nächste gehbare Schritt.

Jede Saat bringt Ernte. Und jeder gegangene Schritt bringt dich einen näher ans Ziel.

Fazit: Was ist Ihr Wassermelonen-Eis?

Wenn ich heute mit Teams an Strategien, Visionen oder Projekten arbeite, stelle ich früh eine einfache Frage: Was wäre — ganz konkret — der erste Schritt? Nicht der Plan bis zum Ende, nicht die perfekte Roadmap. Der eine Schritt, den man diese Woche gehen könnte. Denn zwischen jeder Sehnsucht und ihrer Wirklichkeit liegt derselbe Weg wie zwischen mir und diesem Eis: benennen, recherchieren, losfahren. Die großen Ziele verdienen dieselbe Selbstverständlichkeit, die wir den kleinen längst schenken.

Jasmin Kasapoglu
Jasmin Kasapoglu

Websites, KI und Automation · Köln

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